Konzept

Schnittstellen zwischen Mensch und Technik, wie sie unter dem Begriff Interface insbesondere im Feld der Mensch-Computer-Interaktion thematisiert werden, sind zentraler Bestandteil gegenwärtiger Medienkulturen. Interfaces finden sich überall, wo zwischen Mensch und (Digital-)Technik vermittelt werden muss – bei Computern verschiedenen Formats, im Internet, an der Spielkonsole, dem Smartphone, dem Dashboard im Auto, sowie in den mediatisierten Umwelten des Ubiquitous oder Pervasive Computing.

Die AG Interfaces innerhalb der Gesellschaft für Medienwissenschaft setzt sich zum Ziel, Begriff und Phänomenbereich des Interface für eine medienwissenschaftliche Perspektivierung zu erschließen. Neben der Reflexion der Begriffsgeschichte und der Anknüpfung an erste Versuche einer Theoretisierung des Interface will sich die AG insbesondere mit der Geschichte verschiedener Interfaceformationen beschäftigen, die ihren Ausgangspunkt von den User Interfaces der Computergeschichte nimmt, jedoch nicht auf diese beschränkt bleiben muss.

Eine zentrale Fragestellung, die Interfaces aufrufen, ist das In-Bezug-Setzen von menschlichem Nutzer und Technik. Als Dispositive des Mediengebrauchs eröffnen Interfaces einen Raum der Interaktion, an welchen Fragen von Kontrolle, Macht und Herrschaft gestellt werden können. Zur Geschichte von Interfaces gehört neben technischen Entwicklungen auch die Geschichte ihrer Bediengesten und der Körpertechniken ihres Gebrauchs. Aktuell ist eine neue Dynamik der Auflösung bzw. Verumweltlichung von Anwenderschnittstellen zu beobachten, die neue medienkulturwissenschaftliche Ansätze fordert.

Interfaces lassen sich jedoch nicht nur als Weisen des Umgangs mit Technik beschreiben, sondern auch in ihrer ästhetischen Dimension. Sie unterliegen Regimen der Sichtbarmachung und Unsichtbarmachung, die mit bestimmten Kontrollmöglichkeiten korrelieren und somit Bezüge zu kunstgeschichtlichen und filmwissenschaftlichen Fragestellungen herstellen. Eine Ausweitung des Konzepts auf nicht-digitale Medien und deren Formen der (visuellen) Anordnung ist denkbar und eröffnet z. B. den Blick auf eine allgemeinere Mediengeschichte der (An-)Zeigeflächen. Allerdings ist das Visuelle nur eine Dimension von Interfaces, auch andere Sinne und körperliche Modalitäten spielen eine wichtige Rolle: z. B. bei Formen der Sprach- und Gestensteuerung, der tangible interaction oder bei auditiven Interfaces.

Die AG Interfaces versteht sich als Forum des Austauschs und der Vernetzung von MedienwissenschaftlerInnen, die sich mit der Geschichte und Theorie von Interfaces befassen. Die Kooperation mit bestehenden GfM-AGs (insbesondere Animation, Auditive Kultur & Sound Studies, Daten & Netzwerke, Games) wird angestrebt, wobei die inhaltliche Schwerpunktsetzung deutlich von den dort verfolgten Zielesetzungen abweicht. Der Anschluss an die internationale Forschung zu Interfaces ist eines der Kernanliegen der AG. Jährlich stattfindende Workshops zu theoretischen und methodischen Fragestellungen stellen das zentrale Medium der Kooperation dar, ergänzt durch eine Mailingliste und einen AG-Blog.

SprecherInnen der AG Interfaces
Timo Kaerlein: timo.kaerlein[at]uni-paderborn.de
Sabine Wirth: sabine.wirth[at]staff.uni-marburg.de