
Am Donnerstag und Freitag, den 07. und 08. Mai 2026, fand der Workshop „Interfacing Work“ der AG Interfaces an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Bereits ein Blick in das Programm machte deutlich, dass der Workshop ein diverses Publikum aus unterschiedlichen disziplinären und praktischen Kontexten zusammenbrachte. Inhaltlich wurde der Workshop durch die Frage gerahmt, wie Interfaces Arbeit strukturieren, transformieren und vermitteln. Dabei standen insbesondere Prozesse der Übersetzung und Transformation im Mittelpunkt.
In der Begrüßung durch die Organisator:innen Jana Hecktor, Benjamin Doubali, Marcel Thiel-Woznica, Sascha Dickel und Christoph Ernst wurde die AG Interfaces vorgestellt, Teilnehmende und Interessierte herzlich eingeladen, sich aktiv in die Arbeitsgruppe einzubringen und der Rahmen für die nächsten beiden Tage gesetzt. Neben den 11 Vorträgen, die das Thema aus interdisziplinären Perspektiven beleuchteten, lag der Fokus des Workshops insbesondere auf dem Austausch und gemeinsamen Diskussionen – sei es in den großzügig angelegten Zeitfenstern für die Diskussionen der einzelnen Beiträge, den Kaffeepausen oder auch beim gemeinsamen Abendessen.
Sebastian Randerath (Bonn) eröffnete den Workshop unter dem Titel „‘Dashboarding Work‘ : Eine Interface-Historiografie von Lieferkettenarbeit ca. 1980-2020“. Im Zentrum standen Dashboards als Interfaces, die organisationale Logiken in mediale Darstellungen und konkrete Zugriffsmöglichkeiten übersetzen. Anhand von Beispielen wie Managementcockpits wurde im Vortrag gezeigt, wie sich mit Dashboards eine Logik der Fernsteuerung und Modularität etabliert, die zentral für gegenwärtige Formen des „Lieferkettenkapitalismus“ ist. Arbeit wird dabei zunehmend ausgelagert, während ihre Steuerung softwarebasiert zentralisiert bleibt. Methodisch schlug Sebastian Randerath eine „Interfacehistoriografie“ vor, die an Ansätze der Infrastrukturhistoriografie anschließt und unter anderem mit der Waybackmaschine arbeitet. Besonders spannend war die Analyse agiler Methoden und ihrer Tools wie SCRUM oder KANBAN, deren Organisationsprinzipien wesentlich auf Dashboardlogiken beruhen.
Auf diesen spannenden Auftakt folgte Benjamin Doubali (Mainz), der sich in seinem Vortrag „Verdichten und Entscheiden: Der Design Sprint als Interfacing Work“ den Arbeits- und Entscheidungslogiken von Design Spints widmete. Ausgehend von einem Video, das den Ablauf eines Design Sprints zeigte – von der Problemdefinition über die Ideenentwicklung und das Prototyping bis hin zum Testen – beschrieb Benjamin Doubali den Sprint als Prozess mehrfacher Verdichtung. Im Zentrum stehen dabei die Bearbeitung von Handlungs- und Gestaltungsproblemen unter hohem Zeitdruck. Design Sprints arbeiten mit Nutzerschnittstellen, um implizites Wissen, Bewertungen und Erwartungen sichtbar und operationalisierbar zu machen. Genau darin liege ein spezifischer Arbeitsmodus der Verdichtung und Vereindeutigung, den er als Form von „Interfacing Work“ versteht. Interfaces werden dabei als Kontaktstelle von Mensch und Technik und gleichzeitig als Stabilisierung der Mensch-Maschine-Beziehungen verstanden. Zudem zeigte Doubali, dass Design-Sprints hohe Erwartungen an schnelle Lösungen erzeugen, obwohl die eigentliche Softwareentwicklung oft noch aussteht.
An diese ersten Vorträge und Diskussionsrunden schloss sich eine Kaffeepause an, die Gelegenheit für Gespräche und an die Vorträge anknüpfende Diskussionen bot. Für die Verpflegung sorgte das Mainzer Restaurant Diwan.
Anschließend setzte Lea Klingberg (Bonn) das Programm mit ihrem Vortrag „Wo die Arbeit aufhört: Eine marxistische Betrachtung von Interfaces im Produktionsprozess“ fort. Aus einer marxistischen Perspektive zeigte sie, inwiefern Interfaces Arbeit nicht nur organisieren, sondern kapitalistisch strukturieren. Im Zentrum standen dabei Konzepte wie absolute und relative Mehrwertproduktion sowie die „reelle Subsumtion“ der Arbeit unter Das Kapital. Besonders fokussierte der Vortrag die Debatte um sogenannte schwache und starke Subsumtionsthesen. Während schwache Positionen Technik mit einer unabhängigen Eigenlogik betrachten, die lediglich kapitalistisch eingesetzt wird, gehen starke Thesen davon aus, dass kapitalistische Produktionsverhältnisse bereits die innere Struktur von Technik prägen. Anhand von Beispielen wie der Projektmanagement-Software Jira zeigte Klingberg, wie digitale Interfaces Echtzeit-Koordination ermöglichen und zugleich umfassende Nachverfolgbarkeit herstellen. Arbeitsprozesse werden dadurch transparent, dokumentierbar und kontrollierbar. Der Vortrag verband diese Beobachtungen mit der Frage, ob moderne technische Infrastrukturen lediglich Werkzeuge kapitalistischer Verwertung darstellen oder selbst inhärent kapitalistisch organisiert sind.
Mit seinem Vortrag „Interfacing the Interface. Eine soziologische Exploration der Sinndimensionen des Interface in Begleitung einer KI“ näherte sich Udo Thiedeke (Mainz) dem Workshopthema aus soziologischer Perspektive. Ausgehend von seiner langjährigen Beschäftigung mit „neuen Medien“ und Medienkunst entwickelte Thiedeke in Form von „13 Shortcuts“ eine theoretische Annäherung an Sinndimensionen des Interfaces. Dabei betonte er, dass Interfaces meist erst dann sichtbar werden, wenn technische Widerständigkeit erfahren wird, etwa wenn gewohnte Handlungen scheitern oder technische Systeme nicht erwartungsgemäß funktionieren. Im Zentrum standen Überlegungen zu Affordanzen und zur Wechselwirkung zwischen sozialer und technischer Dimension von Interfaces. Technische Artefakte besitzen laut Thiedeke einen Aufforderungscharakter, zugleich bleiben ihre Nutzungsmöglichkeiten kontingent und nicht vollständig vorhersehbar. Die Soziologie neige jedoch dazu, die soziale Seite zu stark zu privilegieren und die technische Seite aus dem Blick zu verlieren. Gerade komplexe digitale Systeme machen deutlich, dass Interfaces Wahrnehmung, Handlung und Sinnproduktion strukturieren. Besonders eindrücklich war die Diskussion aktueller KI-Interfaces wie Gemini. In simulierten Gesprächen zeigte Thiedeke, wie KI-Kommunikation zunehmend soziale Erwartungen nachahmt und eine Form „synthetischer Sozialität“ erzeugt. Nutzer:innen reagieren auf KI häufig so, als handle es sich um menschliche Kommunikationspartner:innen, obwohl die Systeme lediglich mit Daten, Mustern und Wahrscheinlichkeiten operieren. Daraus, so Thiedeke, entstehen neue Vorstellungen sozio-technischer Normalität, die langfristig auch alltägliche Orientierungen und Arbeitsverhältnisse verändern könnten.
Den Abschluss des ersten Workshoptages bildete der Vortrag von Martin Hoffmann (Düsseldorf) mit dem Titel „Frenzy of the Interface? Plattformkörper & Teledildonik in pornographischen Livestreams“. Hoffmann untersuchte die Verschränkung von Plattformlogiken, Interfaces und Körperlichkeit in pornografischen Livestreams. Die Aufmerksamkeit der Performer:innen richtet sich dabei häufig nicht primär auf die Kamera, sondern auf Feedback-Interfaces und zusätzliche Bildschirme, über die Live-Reaktionen der Nutzer:innen sichtbar werden. Im Zentrum des Vortrags standen teledildonische Interfaces, bei denen zahlende Zuschauer:innen direkt mit Vibratoren oder anderen Geräten interagieren können. Hoffmann argumentierte, dass dadurch neue Formen mediatisierter Körperanschlüsse entstehen die Arbeitsbedingungen, Kontrolle und Machtverhältnisse neu strukturieren. Zwar ermöglichen die Plattformen ein höheres Maß an Schutz und Kontrolle für Sexarbeiter:innen, gleichzeitig bleiben die Interaktionen von plattformökonomischen und geschlechtlichen Asymmetrien geprägt. Theoretisch knüpfte der Vortrag an posthumanistische Ansätze an und diskutierte, wie technische und körperliche Prozesse zunehmend ineinandergreifen. Damit setzte der Vortrag einen Schlusspunkt unter den ersten Workshop-Tag, der unterschiedliche Perspektiven auf die Verschränkung von Arbeit, Technik und Interface zusammengeführt hatte.
Den ersten Workshoptag ließen die Teilnehmenden schließlich gemeinsam im Mainzer Lokal Eulchen ausklingen.
Der zweite Workshoptag begann um 09:30 Uhr mit dem Vortrag „Default Interfacing. Defaults zwischen Arbeitserleichterung, Zugänglichkeit und Normierung“ von Jens Fehrenbacher (Bonn). Im Mittelpunkt standen Voreinstellungen digitaler Interfaces und deren normierende Wirkung auf Nutzungspraktiken. Fehrenbacher zeigte, dass Defaults Entscheidungen häufig vorstrukturieren, ohne als solche sichtbar zu werden, wie etwa bei Datenschutzoptionen oder automatisierten Interface-Einstellungen, denen aktiv widersprochen werden muss. Der Vortrag zeigte vor allem, dass Defaults nicht nur einzelne Funktionen betreffen, sondern ganze Nutzungsszenarien und Templates hervorbringen. Durch vereinfachte Bedienlogiken wie Drag-and-Drop werde zunehmend unsichtbar, welche technischen Prozesse im Hintergrund ablaufen und welche Einstellungen überhaupt veränderbar sind. An Beispielen datenbasierter Systeme und generativer KI zeigte Fehrenbacher zudem, wie gesellschaftliche Normen und Biases in Defaults sedimentiert werden. Eingaben wie „Doktor“ oder „Präsident“ reproduzieren häufig stereotype Bilder weißer männlicher Figuren. Als kritische Praxis schlug Fehrenbacher drei Umgangsweisen mit Defaults vor: (1) Observing Defaults zur Beobachtung bestehender Voreinstellungen, (2) Surfacing Defaults zur Sichtbarmachung veränderbarer Einstellungen sowie (3) Experimenting with Defaults als aktives Ausprobieren alternativer Konfigurationen. Interfaces erscheinen damit nicht nur als Werkzeuge der Vereinfachung, sondern als Orte der Normierung und Standardisierung.
Nach dem spannenden Start in diesen zweiten Tag folgte eine kurze Kaffeepause, in der es auch wieder zu interessanten Gesprächen und Diskussionen kam.
Im Anschluss präsentierten Marie-Kristin Döbler und Michael Heinlein ihren arbeitssoziologischen Vortrag „Technologisch verschichtete Praxen: Wissen, Zeit und Raum im Kontext kooperationsbezogener Mensch-Technik-Kopplungen“. Aus wissenssoziologisch und praxistheoretisch angeleiteter Perspektive, stand im Fokus, welche Formen der Mensch-Technik-Kopplungen beim mediatisierten Arbeiten mit Videokonferenz- und Virtual-Reality-Anwendungen entstehen und was sich daraus mit Blick auf das Interface schlussfolgern lässt.. Dabei unterschieden die Autor:innen drei analytische Ebenen der Schnittstelle: 1. Interface als situierte Aushandlung von Anschlussfähigkeit, 2. Surface als den Abgleich von Zeichen und visuellen Darstellungen wie Dashboards oder Avataren und 3. Subface als die oft intransparente „Tiefenstruktur“ algorithmischer bzw. KI-basierter Systeme. Im Zentrum stand die Frage, wie diese Ebenen ineinandergreifen und dabei Arbeitspraxen sowie die Herstellung von Zeit und Raum eigenlogisch, aber performativ prägen. Ein wichtiger Befund ist, dass Nutzer:innen die in den Systemen objektivierten Arbeitsorientierungen individuell aktualisieren, wobei diese Anpassungen über den konkreten Anwendungskontext hinaus Konsequenzen haben kann – also auch über die technisch vermittelte Situation hinaus wirken. Als Fazit ihrer Präsentation schlossen Marie Kristin Döbler und Michael Heinlein damit, dass menschliche Arbeit im Zusammenspiel von Inter-, Sub- und Surface nicht nur als technisch vermittelt, sondern als „technologisch verschichtet“ verstanden werden sollte.
Fabian Pittroff und Lea Roth widmeten sich anschließend in ihrem Vortrag den verschiedenen Interface-Ebenen geisteswissenschaftlicher Forschungspraxis. Unter dem Titel “Interfacing Humanities Research. Über die praxeografische Entwicklung der Startseite einer virtuellen Forschungsumgebung für die postdigitalen Geisteswissenschaften” stellten sie Zwischenergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit vor. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass geisteswissenschaftliche Arbeitsweisen zwar zunehmend digitalisiert sind, etwa durch den Einsatz von Präsentations- oder Schreibsoftware, sich dies jedoch nicht gleichermaßen auf die Forschungsmethoden übertragen hat. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Vortragenden Forschungs-, Daten- und Infrastrukturpraktiken eines geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverbunds und entwickelten auf dieser Grundlage die Startseite einer Virtuellen Forschungsumgebung (VFU). Das Interface der Webanwendung soll den alltäglichen Einstieg in die Forschungsarbeit erleichtern und zugleich projektübergreifende Kollaboration fördern. Dabei verband der Vortrag praxeografische Überlegungen mit Fragen der Infrastruktur- und STS-Forschung und zeigte, wie empirische Einsichten in konkrete Interface-Gestaltung übersetzt werden können. In der anschließenden Diskussion standen unter anderem die Voraussetzungen für die Akzeptanz einer solchen virtuellen Forschungsumgebung, ein geisteswissenschaftlich erweiterter Datenbegriff als Grundlage kollaborativer Forschung sowie die zunehmende Bedeutung von wissenschaftlicher Selbstbeforschung und der Medialität wissenschaftlicher Daten im Mittelpunkt.
Es folgte der Vortrag von Philipp Knopp (Chemnitz) mit dem Titel „Zwischen Ordnung & Ermessen. Interfaces in der Mediatisierung polizeilicher Wissenspraktiken“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie digitale Interfaces polizeiliche Wissensarbeit strukturieren und zwischen Standardisierung und professionellem Ermessen vermitteln. Ausgehend vom Projekt ELKOS beschrieb Knopp Eingabesysteme als intermediäre Organisationsräume, in denen nicht nur Informationen verarbeitet, sondern zugleich Verantwortlichkeiten („Accountability“) ausgehandelt werden. Vor diesem Hintergrund arbeitete der Vortrag allen voran die Dialektik von Care und Control heraus: Digitale Systeme dienen einerseits der Unterstützung und Strukturierung polizeilicher Arbeit, eröffnen andererseits aber neue Formen der Kontrolle und Standardisierung. Damit verbunden stellte Philipp Knopp die Frage, wie sich die Mediatisierung auf die Professionalisierung polizeilicher Wissensarbeit auswirkt und inwiefern zugleich Prozesse der De- und Reprofessionalisierung entstehen. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere erörtert, wie weit Standardisierung durch Interfaces reichen darf, ohne professionelles Urteilsvermögen einzuschränken. Dabei wurden auch Parallelen zu anderen Berufsfeldern, etwa der Medizin, sowie theoretische Bezüge zu Hartmut Rosas Überlegungen zu Handlungsspielräumen und situativen Konstellationen hergestellt.

Im Anschluss stellte Benjamin Lipp (Kopenhagen) seinen Vortrag „From Illness to Interfacing Work“ vor, in dem er sich mit digitalen Gesundheitstechnologien und der Frage beschäftigte, inwiefern smarte Gesundheitstechnologien (Care-)Arbeit neu verteilen. Ausgehend von Brubakers Konzept der „Hyperconnectivity“ zeigte Lipp, dass entsprechende Technologien nicht lediglich als Werkzeuge verstanden werden können, die das Leben mit einer Krankheit erleichtern. Zwar versprechen smarte Gesundheitsanwendungen die Delegation von Krankheitsarbeit sowie eine stärkere Personalisierung von Therapien – etwa durch tragbare TENS-Geräte, die mittels automatischer Anpassung der Elektrostimulation Schmerzen behandeln sollen –, zugleich entstehen jedoch neue Formen der Interaktion mit den technischen Systemen. Auf Basis einer Tagebuchstudie zur langfristigen Nutzung solcher Wearables arbeitete Benjamin Lipp heraus, dass die Nutzung solcher Technologien auch mit Praktiken der Instandhaltung und Anpassung einhergeht, Anforderungen an Pflegepersonal und Care-Arbeit somit um technisiertes Wissen erweitert wird. Gerade die Unvorhersehbarkeit chronischer Erkrankungen steht dabei in einem Spannungsverhältnis zur datenbasierten Visualisierung von Krankheitsverläufen. Die kontinuierliche Erfassung und Aufbereitung von Gesundheitsdaten schafft einerseits ein gesteigertes Bewusstsein („Awareness“) für den eigenen Körper und mögliche Auslöser von Beschwerden, eröffnet andererseits jedoch neue Fragen nach Kontrolle, Vorhersehbarkeit und der Delegation von Krankheitsarbeit an technische Systeme. Der Vortrag machte deutlich, dass digitale Gesundheitstechnologien nicht einfach Arbeit abnehmen, sondern die Beziehung zwischen Patient:innen, Krankheit und Technologie grundlegend neu konfigurieren.
Zur Mittagszeit bot eine längere Pause Gelegenheit zum thematischen Austausch sowie zum informellen networken, während das Mainzer Restaurant Diwan die Teilnehmenden mit Essen versorgte.
Den Abschluss des Workshops bildete schließlich der Vortrag „Interfacing im technisch betreuten Wohnen“ von Matthias Denecke (Bochum). Im Mittelpunkt stand das digitale Assistenzsystem „Technifix“ und die Frage, wie Smart-Home-Technologien altersgerechtes Wohnen ermöglichen sollen. Denecke zeigte, dass smarte Pflegetechnologien zwar Unterstützung versprechen, zugleich aber neue Formen von Arbeit erzeugen. Dabei zeigte der Vortrag, dass Bewohner:innen zu Nutzer:innen gemacht werden müssen. Mit der technischen Ausstattung der Wohnung entstehen neue Aufgaben des „Digital Housekeeping“. Geräte müssen installiert, gewartet, gereinigt, aktualisiert und bei Fehlermeldungen wieder funktionsfähig gemacht werden. Hinzu kommt Datenarbeit sowie die Notwendigkeit technischer Kompetenzen. Matthias Denecke machte deutlich, dass diese zusätzlichen Arbeiten oft an Bewohner:innen ausgelagert werden, die Supervisor- und Wartungsfunktionen übernehmen. Zudem seien die Technologien an spezifische Voraussetzungen geknüpft. Nutzer:innen müssen „krank genug“ sein, um die Systeme zu benötigen, aber zugleich noch selbstständig genug, um sie bedienen zu können. Auch geschlechtsspezifische Rollenbilder werden dabei reproduziert. Während klassische Hausarbeit traditionell weiblich kodiert war, erscheinen technische Wartungsaufgaben im Smart Home häufig als männlich kodiert.
Der Workshop machte deutlich, wie vielfältig und anschlussfähig aktuelle Forschungen zu Interfaces sind. Es waren zwei wundervolle Tage mit spannenden Vorträgen, anregenden Diskussionen und ausreichend Gelegenheiten auch abseits der offiziellen Workshopstrukturen ins Gespräch und den Austausch zu kommen.
Abschließend gilt der Dank daher allen Vortragenden und Teilnehmenden, die mit ihren Beiträgen und Diskussionen den Workshop bereichert haben. Ein weiterer Dank gebührt den Organisator:innen Jana Hecktor, Benjamin Doubali und Marcel Thiel-Woznica für die Konzeption und die Durchführung des Workshops. Ebenso sei dem Georg-Forster-Forum der JGU Mainz für die finanzielle Förderung zu danken. Besonderer Dank geht auch an die studentischen Hilfskräfte Rosanna Klotz und Nina Fellbrich für die Betreuung, Vorbereitung und reibungslose Durchführung vor Ort.
Nina Fellbrich, Rosanna Klotz, Jana Hecktor, Marcel Thiel-Woznica


