Author Archives: Marcel Thiel-Woznica

AG-Workshop »Interfacing Work«

Workshop, 07.-08. Mai 2026, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Veranstaltungsort: Kisselberg, Isaac-Fulda-Allee 2b, 55124 Mainz, Raum K 104

Programm

Donnerstag, 07. Mai 2026

13:00 – 13:30 Begrüßung

13:30 – 15:00 | Panel 1 | Interface-Work
Sebastian Randerath (Bonn):
Dashboarding Work: Eine Interfacehistoriografie von Lieferkettenarbeit ca. 1980-2020
Benjamin Doubali (Mainz):
Verdichten & Entscheiden: Der Design Sprint als Interfacing Work?

15:00 – 15:15 | Kaffeepause

15:15 – 16:45 | Panel 2 | Interfaces & Gesellschaft
Lea Klingberg (Bonn):
Wo die Arbeit aufhört: Eine marxistische Betrachtung von Interfaces im Produktionsprozess
Udo Thiedeke (Mainz):
Interfacing the Interface. Eine soziologische Exploration der Sinndimensionen des Interface in Begleitung einer KI

Ab 17:00 | Panel 3: Interface zwischen Software & Kunst (Teil 1)
Maja Dierich-Hoche:
Augmented-Making – virtuelle Räume als Intefaces künstlerischer Arbeit

Ab 19:30 | Auskland & Abendessen

Freitag, 08. Mai 2026

09:30 10.15 | Panel 3 | Interface zwischen Software & Kunst (Teil 2)
Jens Fehrenbacher (Bonn):
Default Interfacing. Defaults zwischen Arbeitserleichterung, Zugänglichkeit & Normierung

10:15 – 10:30 | Kaffeepause

10:30 – 12:00 | Panel 4 | Digitales & virtuelles Interfacework der Wissenschaft
Marie-Kristin Döbler & Michael Heinlein (München):
Technologisch verschichtete Praxen: Wissen, Zeit & Raum im Kontext koopera- tionsbezogener MenschTechnikKopplungen
Fabian Pittroff & Lea Roth (Bochum):
Interfacing Humanities Research. Über die praxeografische Entwicklung der Startseite einer virtuellen Forschungsumgebung für die post – digitalen Geisteswissenschaften

12:00 13:00 | Gemeinsamer Imbiss

13:00 14:30 | Panel 5 | Polizei zu Pornographie – heterogene Diskurses der Interface Arbeit
Philipp Knopp (Chemnitz):
Zwischen Ordnung & Ermessen. Interfaces in der Mediatisierung polizeilicher Wissenspraktiken
Martin Hoffmann (Düsseldorf):
Frenzy of the Interface? Plattform – körper & Teledildonik in pornographischen Livestreams

14:30 – 14:45 | Kaffeepause

14:45 – 16:15 | Panel 6 | Interface Work in Health Discourses
Benjamin Lipp (Kopenhagen):
From Illness to Interfacing Work
Matthias Denecke (Bochum):
Interfacing im technisch betreuten Wohnen

Ab 16:15 | Gemeinsamer Abschluss & Abreise

Allgemeine Programminfos

Wir freuen uns über alle, die mitdiskutieren wollen. Die Beteiligung von Studierenden ist ausdrücklich möglich & erwünscht! Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Anmeldung per (info@ag-interfaces.net). Die E-Mail bis 30. April 2026 Teilnehmer begrenzt.

Anreise

Die Tagung findet im Gebäude „Kisselberg“ statt, das durch zwei große Verkehrsstraßen vom Hauptcampus der Uni Mainz getrennt ist. Eine Anfahrtsbeschreibung findet sich auf der Website des Arbeitsbereichs Mediensoziologie & Gesellschaftstheorie: https://mediengesellschaft.soziologie.unimainz.de/kontakt/



Call for Abstracts: Interfacing Work

Workshop der AG Interfaces (Gesellschaft für Medienwissenschaften)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Veranstaltungsort und -datum: Mainz, 7. und 8. Mai 2026 

Sei es an den Bildschirmen von Endgeräten, bei der Anwendung von Industriemaschinen oder im technischen Backend: Interfaces prägen, wie Arbeit organisiert, wahrgenommen und durchgeführt wird. Interfaces sind dabei aber nicht bloß Werkzeuge, sondern bedingen die sozialen Organisationsformen und kulturellen Bedeutungszuschreibungen von Arbeit. Diese Bedingungen werden im doppelten Sinne durch Interfaces realisiert: Interfaces dienen der Verarbeitung, aber sind auch Gegenstand von Bearbeitung. In diesem Sinne sind die Leistungen von Interfaces nicht nur ein Faktor innerhalb von Veränderungsprozessen der Arbeit, sondern wirken auch auf das gesellschaftliche Alltagsverständnis von Arbeit zurück (was sich an Begriffen wie ‘Bildschirmarbeit’ zeigt). Dieses Verhältnis lässt sich mit Blick auf gegenwärtige Arbeitskulturen ausbuchstabieren, lädt aber auch zu historischen Reflexionen auf die Transformation von Arbeit entlang von mit Interfaces assoziierten Medienumbrüchen ein.

Die medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Interfaces hat in den letzten Jahren stark zugenommen; in der theoretischen Debatte ist z. B. ein differenziertes Verständnis der Operativität von Interfaces entwickelt worden. Gleichwohl blieb das Verhältnis zur Arbeit vielfach unterbelichtet. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Workshop der AG Interfaces den verschiedenen Diskursen, Praktiken und Artefakten, durch die das Verhältnis von Interface und Arbeit bestimmt wird. Gefragt wird dabei immer nach der hier skizzierten Wechselwirkung zwischen einer Arbeit an und mit Interfaces, die unter den Bedingungen der durch das Interface definierten Leistung vollzogen wird. Interfaces sollen entsprechend als Elemente medientechnischer Infrastrukturen verstanden werden, die Arbeit ermöglichen, strukturieren und transformieren – in industriellen wie in postindustriellen Kontexten, vom Handwerksbetrieb bis zur Plattformökonomie.

Im Zentrum stehen unter anderem folgende Fragen:

  • Wie formen Interfaces die Organisation von Arbeit – z. B. durch Kommunikationsplattformen wie Slack oder Teams?
  • Inwiefern betreffen Interface-Dynamiken unterschiedliche Formen und Orte von Arbeit: von der digitalen Wissensarbeit über industrielle und handwerkliche Arbeit bis hin zur Care-Arbeit, die auch und gerade in nicht-professionellen, häuslichen und intimen Räumen stattfinden kann? 
  • Welche kulturellen Differenzen zeigen sich im Umgang mit und in der Gestaltung von Interfaces? Dies betrifft auch und gerade Wissenskulturen (Knorr-Cetina 2002), die in professionellen Kontexten unterschiedliche Handhabungsweisen und Deutungsmuster entwickeln.
  • Wie vermitteln Interfaces zwischen implizitem und explizitem Wissen in der Arbeit?
  • Wer arbeitet an und mit Interfaces – und unter welchen Bedingungen und innerhalb welcher Hierarchien?
  • Wie verändert sich Arbeit selbst durch Interfacing – von historischen Entwicklungen  bis hin zu zeitgenössischen Konzepten wie Gamifizierung?
  • Wie verändern Interfaces die Zeit- und Raumstrukturen von Arbeit?
  • Was sind spezifische Wandlungsprozesse von Arbeit, die durch Interfaces mitgeprägt werden (Büroarbeit, Sexarbeit, Gewaltarbeit …)
  • Wie beeinflussen KI-gestützte Interfaces (etwa Chatbots, Assistenzsysteme, algorithmische Filter und Suchwerkzeuge) Produktions- und Machtverhältnisse?

Eingeladen sind Beiträge, die diese und verwandte Fragen theoretisch oder empirisch bearbeiten. Willkommen sind neben Perspektiven aus der Medienwissenschaft etwa auch Beiträge aus der Soziologie, den STS, der Design- sowie der HCI-Forschung oder angrenzenden Feldern. 

Neben klassischen wissenschaftlichen Vorträgen begrüßen wir ausdrücklich Impulse aus der Praxis sowie künstlerische Auseinandersetzungen mit Arbeit und Interfaces. Für diese Beiträge wird ein eigenes Präsentationsformat angeboten, das Raum für diskussionsorientierte, performative, gestalterische oder experimentelle Formen schafft. Beiträge können etwa aus den Bereichen (UX-)Design, Programmierung und IT, Kunst oder Medienproduktion stammen, die aus ihrer jeweiligen Perspektive neue Einsichten in das Zusammenspiel von Interface und Arbeit eröffnen. Ob Lecture Performance, Werkstattgespräche, Demonstratoren, UX-Studien, Design Workshops, Medieninstallationen, Generative Art oder experimentelle Präsentationen – Ziel ist es, Theorie und Praxis produktiv ins Gespräch zu bringen und alternative Zugänge zur Thematik sichtbar zu machen.

Bitte senden Sie ein Abstract (max. 5.000 Zeichen) und eine Kurz-Biographie (max. 500 Zeichen) bis zum 07.11.2025 an info@ag-interfaces.net. Bitte geben Sie bei der Einreichung unbedingt an, ob es sich um einen wissenschaftlichen oder um einen praxis-/kunstbasierten Beitrag handelt. Falls Sie keine institutionelle Anbindung haben, können Sie sich beim Organisationsteam bezüglich einer möglichen Übernahme der Dienstreisekosten melden.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Organisationsteam: Jana Hecktor (IZEW Uni Tübingen), Marcel Thiel-Woznica (Uni Mainz), Christoph Ernst (Uni Bonn), Benjamin Doubali (Uni Mainz), Sascha Dickel (Uni Mainz)